Wir trauern um Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Edelstein

Wir trauern um Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Edelstein

15. Juni 1929 – 29. Februar 2020

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Edelstein ist im Laufe seines arbeitsreichen Lebens in der Pädagogik in Wissenschaft und Praxis stets für die demokratische Schule und Jugendbildung eingetreten. Wolfgang Edelstein hat insbesondere das Gutachten für das in Blick auf die Etablierung der Demokratiepädagogik zentralen BLK-Modellprogramms gemeinsam mit unserem Gründungsvorstand Peter Fauser erstellt. Er hat das Magdeburger Manifest mitformuliert. Er war eine entscheidende und unnachgiebige Triebkraft bei der Gründung der Dt. Gesellschaft für Demokratiepädagogik. Er hat deren “Preis für demokratische Schulentwicklung” mit etabliert. Er war mit Beginn der Arbeit am BLK-Gutachten und dann kontinuierlich dem Wettbewerb “Demokratisch Handeln” verbunden. Er war, zusammen mit der Gründerin der Heidehof-Stiftung Stuttgart, Eva Madelung, dort zugleich einer der ersten Träger des “Hildegard Hamm-Brücher-Preises” und er war – es kann kaum anders sein – Mitbegründer und regelmäßiger Autor des “Jahrbuchs für Demokratiepädagogik”, dem er auch in dessen Wissenschaftlichen Beirat stets verbunden blieb.

Wolfgang Edelstein hat zahlreiche wissenschaftsfundierte, gleichwohl stets appellativ an die Praxis von Schule und Politik gerichtete Studien und Aufsätze verfasst – immer mit dem Ziel, dass die Demokratie in Deutschland und Europa stabil werden und bleiben sowie die Gesellschaft, die sie konstituiert, eine in ihrem inneren Wesenskern gerechte Gesellschaft sein möge. Deshalb, so sein Credo, müsse die Politik in dieser demokratischen Gesellschaft auf den Anspruch der Gerechtigkeit und der Förderung sozial benachteiligter Gruppen gegründet sein, sie müsse Gewalt, Intoleranz und alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie Fremdenhass und Antisemitismus von Grund auf bekämpfen. Demokratie, das ist in dieser Perspektive weit mehr als ein Platz des freien Kräftespiels alleine der Leistungsträger einer Gesellschaft. Wolfgang Edelstein sah sich – nicht zuletzt aufgrund der in seiner Lebensgeschichte begründeten Erfahrungen ¬ dem Ziel einer solcherart lebendigen Demokratie dauerhaft und existenziell verpflichtet! Dass diese Demokratie immer auch eine bürgergesellschaftliche und eine der Lebensform sein soll, war einer der zentralen Maximen, die Wolfgang Edelstein in seinem professionellen Handeln und seinem bürgerschaftlichen Engagement geleitet hat. Sein Wunsch konkretisierte sich deshalb in einer lebhaften und zukunftsoffenen Bürgergesellschaft als Lebenspraxis und zugleich als Bildungsziel.

Wir verabschieden uns mit Trauer und Dankbarkeit, vor allem aber mit tiefem Respekt vor unserem Freund und Weggefährten Wolfgang Edelstein. Sein Handeln und seine Ideen sind für uns Richtschnur unserer Arbeit und unseres Engagements für eine offene, deliberative und engagierte demokratische Gesellschaft und Pädagogik, die dem Leben und der Zukunft zugeneigt ist und deshalb den Willen und die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen ernst nimmt. Wir werden ihn nicht vergessen!

Wolfgang Beutel, Hermann Veith, Verena Hamm und Christoph Schieb für den Vorstand, die Geschäftsführung und die Mitgliedschaft des Fördervereins Demokratisch Handeln e.V.


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