PREISTRÄGER:INNEN 2021

PREISTRÄGER:INNEN 2021

Esra Karakaya

Esra Karakaya wird 2021 mit dem durch den Förderverein Demokratisch Handeln verliehenen Hildegard-Hamm-Brücher-Preis für Demokratisches Handeln ausgezeichnet. Die Journalistin moderiert ihr eigenes Talkshow-Format „Karakaya Talk“. Dort spricht sie mit Menschen, die in der immer noch weiß geprägten Medienlandschaft zu selten eine Stimme bekommen. Zusammen mit ihren Gästen diskutiert Esra Karakaya bei einem Glas Chai über Alltagsrassismen, Stereotype und Feminismus. Hier wird nicht über Menschen mit Diskriminierungserfahrungen geredet wird, sondern mit ihnen.
So schafft Esra Karakaya mit ihrem Talk-Format Räume, in denen medial unterrepräsentierte Gruppen zu Wort kommen, sich austauschen können und gehört werden. Dabei zeigt sie unterschiedlichste Realitäten und leistet einen wichtigen Beitrag dazu, stereotype Vorstellungen abzubauen und die Medienlandschaft diverser zu gestalten.
Wir gratulieren zur Auszeichnung!

Wir beglückwünschen alle drei Projekte der Hildegard-Hamm-Brücher-Medaillen für Demokratisches Handeln herzlich!

Projekt: Jüdisches Leben in der Gemeinde Nohfelden

Die Schüler*innen der Stolperstein AG der saarländischen Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle beteiligen sich seit ihrer Gründung 2011 an der Erinnerungsarbeit ihrer Gemeinde. Ausgangspunkt für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft bildet eine Anfrage des Adolf-Bender-Zentrums St. Wendel an die Schule, ob diese die erste Verlegung eines Stolpersteins in Nohfelden begleiten möchte. Die Projekte der Heranwachsenden zielen darauf, an die Geschichte der Verfolgung von Jüdinnen und Juden während der NS-Zeit in der Gemeinde Nohfelden und dem Landkreis St. Wendel zu erinnern, diese in die Öffentlichkeit hineinzutragen und darüber zugleich zu Toleranz und Respekt aufzurufen. Zu diesem Zweck erarbeitet die AG u.a. im Schuljahr 2014/15 eine Ausstellung zur jüdischen Geschichte ihrer Heimatgemeinde, deren Ausstellungstafeln im Schulgebäude aushängen. Weiterführende Informationen machen sie über eine Homepage zugänglich. In Zusammenarbeit mit der Louis-Braille-Schule, einer Förderschule für Blinde und Sehbehinderte, vertonen sie bis 2017 die Ausstellungstafeln und erarbeiten Versionen in Brailleschrift. Zudem übersetzen sie die Ausstellungstafeln in leichte Sprache. Weiterhin entstehen je ein Film zur Verlegung der Stolpersteine sowie zu den Spuren der jüdischen Kultur in Nohfelden. Von 2018 bis Anfang 2020 arbeitet die AG am Projekt „Wege der Erinnerung“, in dessen Zuge die Schüler*innen Tafeln mit Informationen zum jüdischen Leben aufstellen, welche durch Interessierte erwandert werden können. Über QR-Codes können zusätzliche Informationen von der Homepage abgerufen werden. Ergänzend dazu erstellen die Jugendlichen Arbeitsmaterialien für mögliche Wandertage. Für das Schuljahr 2020/21 ist eine App zu den „Wegen der Erinnerung“ geplant, welche vor allem junge Menschen ansprechen soll.

Projekt: Hörpost

Die Klasse 4b der Heinrich-Kielhorn-Schule Hameln (Förderschule für Geistige Entwicklung) und die Schulradio AG der Grundschule Bad Münder verwirklichen im Schuljahr 2019/20 ein inklusives, kooperatives und digitales Lese- und Demokratieprojekt. Ausgangspunkt ist der Wunsch der Klasse 4b, das Buch „Paddington“ zu lesen und so am literarischen Leben teilhaben zu können. Die Schüler*innen der Heinrich-Kielhorn Förderschule besuchen zu Beginn des Schuljahres die Stadtbücherei Hameln. In einem demokratischen Abstimmungsprozess entscheiden sie sich für das Buch „Paddington“ und sammeln so Partizipationserfahrung. Anschließend senden sie der Schulradio AG eine „Hörpost“ und bitten die Schüler*innen aus Bad Münder, ihnen die Kapitel des Buches per Sprachnachricht vorzulesen. Hierbei üben die Kinder der 4b den Umgang mit digitalen Endgeräten. Es entwickelt sich ein reger auditiver Austausch, der in beiden Gruppen die Lese- und Digitalkompetenz, das Inklusionsverständnis und die Selbstständigkeit fördert. Bei einem Abschlusstreffen entsteht ein Hörspiel.

Projekt: MUNOG Videoprojekt

Schüler*innen der Klassen 10 bis 12 des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen verlagern 2020 die traditionelle UN-Simulation an ihrer Schule als Videoprojekt in den digitalen Raum. Aufgrund der Covid-19-Pandemie muss die „Model United Nations of Goldberg“ (MUNOG) in diesem Jahr als Präsenzveranstaltung mit 200 internationalen Gästen abgesagt werden. Um den politischen Austausch und Kontakt mit den Partnerschulen im Ausland erhalten zu können, fordern die Jugendlichen die Delegierten unter dem neuen Titel „Most United Nations of the Globe“ der Partnerschulen auf, Videos zu politischen Themen mit Fokus auf die aktuelle Krise zu erarbeiten. Die Themen, aus denen gewählt werden kann, werden durch die Schüler*innen des Goldberg-Gymnasiums vorgegeben und umfassen beispielsweise die Digitalisierung an der Partnerschule, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und die zunehmende Verbreitung von Verschwörungstheorien. Durch das neue Format ändern sich gegenüber den Vorjahren die Aufgaben der jeweiligen Projektgruppen: Unter anderem gilt es für das Konferenz-Management nicht mehr, die nötigen Materialien für die Model-UN zu erstellen und die Anreise der Teilnehmenden zu organisieren, sondern stattdessen die Durchführung des neuen Projektes mit den Partnerschulen zu koordinieren. Zudem müssen die Sponsor*innen über die neuen Pläne informiert und die eingeworbenen Gelder anstatt für Materialien für adäquate Technik ausgegeben werden. Bis zum Januar 2021 sind bereits drei Filme entstanden und sowohl auf der Website des Projektes als auch auf YouTube einsehbar.