Unser Blog


Hier bloggt das Team des Wettbewerbs
Demokratisch Handeln. Ihr erfahrt Neues
aus dem Wettbewerb, aber auch Aktuelles
vom bundesweiten Engagement für
Demokratie und Demokratiebildung.

Ein Klohäuschen für Vielfalt

Die Jugendforen Saarpfalz und Homburg sind Teil der lokalen Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Im regelmäßig tagenden Jugendforum, welches aktuell aus ca. 15 aktiven Jugendlichen besteht, bekommen diese ein jährliches Budget zur Verfügung gestellt, über dessen Verteilung sie selbstbestimmt entscheiden können. Es sollen damit Projekte umgesetzt werden, die der Förderung der Demokratie und der Bejahung von Vielfalt und Toleranz dienen und/oder aktiv gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit vorgehen. Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass ausschließlich die Jugendlichen am Entscheidungsprozess teilhaben, wohingegen die hauptamtlichen Unterstützer eher die bürokratischen Hürden in Angriff nehmen.  Anhand des Leitbilds und den Förderrichtlinien wird über die Bezuschussung von Projekten entschieden.

Vor diesem Graffitiprojekt am Würzbacher Weiher hatte das Jugendforum im Jahr 2017 bereits ein Graffitiprojekt in Homburg erfolgreich umgesetzt. Hierbei wurde an eine Wand in der Nähe der Jugendzentrale in Homburg der Schriftzug „Toleranz“ gesprüht. Da das Projekt viele Jugendliche anlockte, zu denen das Jugendforum bisher keinen Zugang hatten wollte man an dieses Projekt anknüpfen und erneut ein Graffiti in der Öffentlichkeit ansprühen um kreativ-künstlerisch eine Botschaft zu platzieren. Nach der Genehmigung zum Sprayen für das Klohäuschen in Niederwürzbach blieb die Frage, was wir denn auf das Häuschen sprühen wollten. Wir entschieden uns hier für eine Mischung aus einem interkulturell geprägten, aber auch ortbezogenen und naturaffinen Motiv, mit der Möglichkeit, dass Ortsansässige, welche eventuell an dem Projekt teilnehmen wollten, das Graffiti aktiv mitgestalten können.

Wir baten den Graffitikünstler Philipp Himmel, welchen wir bereits einmal für ein Projekt engagiert hatten, um Hilfe. Der Gedanke war, dass viele verschiedene junge Menschen, welche im Laufe des Tages am Niederwürzbacher Weiher vorbeilaufen, am Graffiti mitsprühen können. Zu diesem Zwecke stellten wir unsere JuFo-Beachflags auf, um auf unser Projekt aufmerksam zu machen. Die vorherigen Impressionen und Vorstellungen, wie das Graffiti aussehen sollte, sollten wir dem Künstler vorher mitteilen, sodass dieser es mit einem Grundriss an die Wand bringen konnte. Anschließend konnte jeder der mochte, unter Anleitung des Künstlers helfen, die Wand zu besprühen.

Im Laufe der beiden Tage, in welchen das Graffiti realisiert wurde, sprühten neben den Jugendforumsteilnehmern, viele ortsansässige Kinder und Jugendliche mit. Auch eine Jugendgruppe kam vorbei. Die Wünsche der Niederwürzbacher wurden in die Erstellung des Graffitis miteinbezogen. So forderte die Ortsvorsteherin, dass statt „Niederwürzbach“ „Niederwerzbach“ auf dem Graffiti stehen sollte, es wurde also an den lokalen Dialekt angeknüpft. Auch die Spruchwünsche zweier ortsansässiger Teenager wurden aktiv in das Graffiti miteingebunden.

Das Projekt stieß auch in der Öffentlichkeit auf große Resonanz, nicht zuletzt aufgrund der prominenten Lage und die frühzeitige Einbindung von Presse, Verwaltung und Kommunalpolitik. Bereits während des Arbeitsprozesses wurden die Jugendlichen mehrfach auf weitere Flächen hingewiesen und dazu animiert, das Projekt im nächsten Jahr an anderer Stelle fortzusetzen. Nicht zuletzt gelang es uns auch, Werbung für unsere Arbeit als Jugendforum zu machen und neue Interessenten zur Mitarbeit dort anzuregen.

Durch das Projekt wurde der Bereich um den Niederwürzbacher Weiher nicht nur verschönert, sondern auch mit einer markanten weithin sichtbaren Botschaft versehen. Auch wurde durch die aktive Einbindung von Akteuren vor Ort demokratische Partizipation möglich, indem diese selbst an der Mitgestaltung ihres Dorfes teilhaben konnten. Gerade für Jugendliche ist es toll zu merken, wenn Ideen die man äußert, von Erwachsenen ernst genommen und auch tatsächlich umgesetzt werden. Ein nächstes Graffitiprojekt ist aufgrund der positiven Erfahrungen auf jeden Fall denkbar und gewünscht, es müsste nur diskutiert werden, ob es nochmal explizit politischer gehalten wird.

 

Dieser Beitrag wurde von den Jugendforums-Mitgliedern Justine Zaki und Marco Grund verfasst.

Das dazugehörige Youtube Video findet ihr unter https://www.youtube.com/watch?v=bBu4OQj4oI4&t=1s.