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4 | "Was Steine erzählen"- Besuch der Ausstellung im Stadtmuseum

Als einziger des Geschäftsstellenteams von Demokratisch Handeln durfte ich mit viel Interesse einen Stadtspaziergang, zusammen mit Adrienne Körner, unserer Regionalberaterin aus Bremen, begleiten und verfolgen. Um 14 Uhr liefen wir von der Evangelischen Akademie Hofgeismar los und erreichten nach einer zwei Kilometer-Wegstrecke das Stadtmuseum Hofgeismar, in welchem die Ausstellungsleiterin Frau Drinnenberg schon auf uns wartete. Der Titel der Ausstellung, welche wir besuchten, lautete "Was Steine erzählen". Dies war ein Projekt der Klasse R9c der Gustav-Heinemann-Schule Hofgeismar, welche innerhalb von nur 5 Monaten diese Ausstellung auf die Beine gestellt hatte. Dabei floss nicht nur Unterrichtszeit ein, sondern auch viele freiwillige Nachmittage und Wochenenden. Dazu las die Klasse das Buch "…aber Steine reden nicht" von Carlo Ross, zu welchem sie ein Lesetagebuch anfertigte.

Natürlich können die Schülerinnen und Schüler am besten über ihre eigene Arbeit sprechen, deshalb waren vier Jugendliche in Vertretung anwesend und führten uns gemeinsam mit Frau Drinnenberg durch die Räume. Man erklärte uns, dass das heutige Stadtmuseum sich auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge befindet. Während der Zeit des dritten Reichs zerstörten die Nazis diese und vertrieben die Judenpopulation aus der Stadt. Um die Führung einzuleiten, prangt ein großes Poster an der Wand des ersten Raumes, welches den damaligen Zeitungsbericht des Tages zeigt, an dem die Nazis die Synagoge zerstörten.

Die Schülerinnen und Schüler stellten uns die Geschichte der Familie Goldschmidt vor, welche die ganze Ausstellung prägt. Die jüdische Familie steht kurz vor der Deportation. Wie viele andere Juden konnten auch sie nicht verstehen, was die Nazis mit ihnen vor hatten. Erwin Goldschmidt, der zu diesem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt ist, wird von seinem Vater Gustav gebeten nach Amerika zu fliehen, um so dem Leid zu entgehen. Im nächsten Raum sah man ein großes gemaltes Bild, wodurch wir eine Vorstellung bekamen, wie wohl die Synagoge ausgesehen hat. Ebenfalls hingen an den Wänden Bilder von diversen Aufnahmen vor- und während des Krieges. In Glasvitrinen fand man alte Umrisse und Maßbänder, mit denen die Schüler versucht haben den genauen Umriss der alten Synagoge herauszufinden und nachzustellen. Zudem gab es eine Chronik über die Geschehnisse zur Nazizeit in Hofgeismar und kunstvolle Bilder an den Wänden, welche dazu die Geschichte erzählen. Der dritte Raum befasste sich mit dem Judentum an sich. Die Schüler wollten mehr über die Religion der Menschen wissen, welche so kaltherzig von den Nationalsozialisten verjagt worden. Sie erstellten deswegen ein "Judentum-ABC", wodurch sie sich mit vielen wichtigen jüdischen Begriffen auseinandersetzten. Der letzte Raum war der Hörspielraum. Die Klasse verarbeitete die Geschehnisse der Familie Goldschmidt als Hörspiel und schaffte es so, dass wir als Gäste noch besser das Geschehene nachempfinden konnten.

Leider war es zeitlich nicht mehr möglich noch näher ins Gespräch zu kommen und vielleicht die ein- oder andere Frage über die Geschichte der Familie Goldschmidt oder zum Thema an sich zu äußern. Auf dem Rückweg suchten wir selbst nach Hinweisen über die Geschichte der jüdischen Bevölkerung der Stadt und fanden einen Stolperstein auf dem Gehweg.

Im Namen von Demokratisch Handeln, den Schülerinnen und Schülern, sowie Lehrerinnen und Lehrern bedanke ich mich bei Frau Drinnenberg und den Schülerinnen und Schülern der Klasse R9c. Der Rundgang war für uns sehr interessant und fesselnd. Die Schüler haben sehr viel Eigeninitiative und Mühe in das Projekt gesteckt und kamen so zu großartigen Ergebnissen. Auch von den Stadtspaziergangsteilnehmenden kam sehr viel positives Feedback. Eine tolle Ausstellung eines tollen Projektes!

(Patrick König, 22. Juni 2017, Erfurt)

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26.06.2017 (DI)

 
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