Letzte Fluchtmöglichkeit: Kanal

Ein Bericht zur Geschichte der Zwangsarbeiter in Mannheim

Von Fabian Schongen, Christian Mund und Daniel Klein

In den westlichen Vogesen errichteten Gestapo-Kommandos im Herbst des Jahres 1944 ein Terrorregime. In den Orten zwischen La Bresse und Raon I'Etape wurden über 4000 Männer in Konzentrationslagern oder zum Teil zur Zwangsarbeit nach Vorbaden deportiert. Frauen, Kinder und alte Menschen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben. Aber durch die Warnung einer mutigen Französin konnten damals viele Männer den Verfolgern durch die dortige Kanalisation entkommen.

Das haben die Schüler Georg Strauch und Ruprecht Lindhorst aus Mannheim in Gesprächen mit Zeitzeugen herausgefunden. Durch den Geschichtsunterricht mit Peter Koppenhöfer war das Interesse der Schüler an dem Thema geweckt worden.

Sie begannen, nach Firmen zu suchen, die früher Zwangsarbeiter beschäftigten. Bei ihrer Recherche stießen sie auf große Probleme, weil sich von 15 angeschriebenen Unternehmen nur John Deere meldete, die bekannte Traktorenfirma. Sie war der einzige Betrieb, der die "enorm hohe" Geldspende von 500 Mark zusagte. Und das hat den Jugendlichen bei der Umsetzung ihres Projektes sehr geholfen.

Es war schwer, eine Zeitung zu finden, die zusagte, über das Projekt zu berichten. Erst nach langen Bemühungen erklärten sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Mannheimer Morgen bereit, über das Projekt zu schreiben - allerdings haben sie die Schülertexte erheblich gekürzt.

Durch das anspruchsvolle Projekt haben die zwei Mannheimer Schüler mehr Licht in die Geschichte ihrer Stadt während NS-Zeit gebracht und ihren Lesern gezeigt, wie grausam diese deutsche Epoche des 20. Jahrhunderts war.

Literatur: Strauch / Lindhorst: Die Männer von Saint-Die; Zentauros-Verlag, 48 Mark.

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Dokument erstellt am 22.01.2002 um 21:09:14 Uhr
Erscheinungsdatum 23.01.2002