Vorbild für gelebte Demokratie

Hildegard Hamm-Brücher begeistert Jugendliche für Politik

Von Marcus Breuer

Hildegard Hamm-Brücher hat eine faszinierende Lebensgeschichte. Doch ebenso bemerkenswert ist das von "ihrer" Theodor-Heuss-Stiftung unterstützte Projekt "Lernstatt Demokratie".

Für Hamm-Brücher, die 80-jährige Grande Dame der deutschen Nachkriegspolitik, ist Demokratie kein abstrakter Wert. Für sie bedeutet es zugleich auch, unsere "Demokratie zu leben". Nach ihrer liberalen Auffassung ist es eine Lebenseinstellung und nicht nur eine Aufgabe, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen wird. Dazu gehört auch, dass Kindern und Jugendlichen schon in der Schule das Gefühl gegeben wird, "jeder sei gleich".

Sie erinnert sich noch gut daran, wie es damals in der DDR war, als die Schüler sich nur für sich selbst zuständig fühlten und auch keinerlei Unterweisung in Demokratie von Seiten ihrer Lehrer erfuhren.

Das sei zwar heute oftmals immer noch so, sagt sie weiter, doch gerade am Beispiel der DDR zeige sich das negative Bild am deutlichsten. Wichtig sei ihr auch, dass sich Jugendliche um Probleme und Aufgaben ihres direkten Wohnumfelds kümmern und dort mit anderen gemeinsam Ideen oder Lösungen entwickeln.

Hildegard Hamm-Brücher war in der Zeit des Nationalsozialismus Mitglied einer evangelischen Jugendorganisation. Nach der Gleichschaltung aller Verbände im "Dritten Reich" verweigerten ihr die Großeltern den Eintritt in den Bund Deutscher Mädchen (BDM). Später engagierte sie sich im Umkreis der Widerstandsbewegung "Weiße Rose" und arbeitete aktiv gegen die Diktatur Adolf Hitlers und trat für Demokratie und Meinungsfreiheit ein.

Die große Liberale Hamm-Brücher ist wohl das beste und überzeugendste Beispiel für gelebte Demokratie, das auch heute noch junge Menschen begeistern kann.

[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 22.01.2002 um 21:09:14 Uhr
Erscheinungsdatum 23.01.2002